FMH – Berufsverband
 

Mit Herzblut für ein gutes Gesundheitswesen

Mit der Genehmigung des TARDOC gelang der FMH ein grosser Erfolg, für den sie sich über viele Jahre engagiert hatte. Doch dies war nur eines von vielen Handlungsfeldern, in denen sich die FMH im vergangenen Jahr für optimale Rahmenbedingungen im Schweizer Gesundheitswesen eingesetzt hat. Vier Bereichsleiterinnen berichten über ihre grössten Herausforderungen, Meilensteine und Erfolge im zu Ende gehenden Jahr sowie auch darüber, was sie im neuen Jahr erwartet.
2025-26

Annika List - Leiterin Ambulante Versorgung und Tarife

Rückblick 2025
Das aktuelle Jahr brachte den lang ersehnten Durchbruch bei der Revision der ambulanten Tarife, auf den die FMH lange hingearbeitet hatte: die Genehmigung von TARDOC und den Ambulanten Pauschalen durch den Bundesrat. Entsprechend lag der Schwerpunkt in diesem Jahr auf der Vorbereitung für die Einführung und Umsetzung des neuen ambulanten Arzttarifs. Gleichzeitig wurde auch an der tarifarischen Weiterentwicklung gearbeitet, was sowohl fachlich als auch strategisch von zentraler Bedeutung ist. In enger Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften, Tarifpartnern und Behörden konnten wir die FMH als verlässliche und lösungsorientierte Akteurin in einem komplexen gesundheitspolitischen Umfeld positionieren. Ein wesentlicher Meilenstein war die erfolgreiche Vorbereitung der operativen Einführung des neuen Gesamttarifsystems – verbunden mit gezielten Informations- und Unterstützungsangeboten für die Ärztinnen und Ärzte. Dabei galt es, vielfältige Interessen auszubalancieren, technische und ökonomische Fragen zu klären und die Versorgungssicherheit im ambulanten Bereich zu gewährleisten. Die Implementierung der auf den neuen Arzttarif ausgerichteten Prozesse war sicherlich für alle Tarifpartner und auch die OAAT eine Herausforderung. Ich bin dankbar, mit einem hoch kompetenten und professionellen Team zusammenzuarbeiten. Unser Bereich setzt sich mit Herzblut für die Interessen der Ärzteschaft ein.

Ausblick 2026
Im Jahr 2026 steht die operative Einführung und Evaluation des TARDOC und der Ambulanten Pauschalen im Zentrum. Wir werden die Umsetzung eng begleiten, die ökonomischen und strukturellen Auswirkungen analysieren und die Tarifstruktur mit Einbezug der Fachgesellschaften kontinuierlich weiterentwickeln. Die konsequente Harmonisierung von TARDOC und den Ambulanten Pauschalen wird uns die nächsten Jahre begleiten. Natürlich werden uns auch Herausforderungen betreffend Datenqualität und Kostenneutralität beschäftigen.

Beatrix Meyer - Leiterin Stationäre Versorgung und Tarife

Rückblick 2025
Bei der diesjährigen repräsentativen Befragung der Ärzteschaft haben wir die Fokusthemen der FMH-Strategie ins Zentrum gestellt: ausreichend Fachkräfte, erfolgreiche Ambulantisierung, administrative Entlastung. Die kürzlich publizierten Ergebnisse [1] unterstreichen, dass hier deutlicher Handlungsbedarf besteht. In Referaten, an Podiumsdiskussionen und bei der Interessenvertretung in nationalen Gremien nutzten wir die Gelegenheit, um zu diesen Themen Fakten und mögliche Lösungswege aufzuzeigen.

Ein wichtiges Ziel unserer Strategie sind sachgerechte Tarife. In die inzwischen 15. SwissDRG-Version sind substanzielle ärztliche Anliegen eingeflossen. Bei der Tarifstruktur für die stationäre Rehabilitation Version 4.0 konnten dank der grundlegend überarbeiteten Leistungsbeschreibungen die Fehlanreize reduziert werden. Für die Tarifstruktur der stationären Psychiatrie (TARPSY) haben wir zusammen mit den Fachgesellschaften spezifische Vorschläge eingebracht, welche die SwissDRG AG prüft. Als sehr nützlich erwies es sich, dass wir einen Zugang zu Daten des Vereins SpitalBenchmark erreichen konnten. Dadurch war es möglich, die Fachgesellschaften noch gezielter beim Antragsverfahren zur Weiterentwicklung der stationären Tarifstrukturen zu unterstützen. Zwar verbessern sich die Tarifstrukturen kontinuierlich, angesichts der von den Tarifpartnern verhandelten Basispreise bleibt die finanzielle Situation vieler Spitäler jedoch angespannt.

Ausblick 2026
Für das neue Jahr wollen wir erreichen, dass das Bundesamt für Statistik trotz der Sparmassnahmen seitens Bund wieder Anträge zur Weiterentwicklung der Prozedurenklassifikation CHOP entgegennimmt. Das ist bedeutsam, weil sonst medizinische Neuerungen nicht mehr erfasst und somit auch nicht korrekt vergütet werden können. Weiter engagieren wir uns für eine rasche Vergütung aller hochteuren Innovationen. Dies, nachdem wir zumindest für einen Teil der hochteuren innovativen Leistungen eine beschleunigte und einheitliche Abgeltung erreichen konnten. Abgesehen von der stetigen Verbesserung der bestehenden Tarifsysteme finde ich es wichtig, die Vergütung von neuen Versorgungsmodellen wie «Hospital at Home» sicherzustellen. Deshalb werden wir den FMH-internen Meinungsbildungsprozess zu «Hospital at Home» weiter vorantreiben.

Literatur

  1. www.fmh.ch > Themen > Begleitforschung >Ergebnisse der Befragung 2025 der Ärzteschaft

Salomé Steinle - Co-Leiterin Public Health und Gesundheitsberufe

Rückblick 2025
Der Bereich Public Health und Gesundheitsberufe blickt auf ein intensives Jahr zurück: Stärkung des MPA-Berufs, attraktive Dienstleistungen für Mitglieder, neue Herausforderungen und die Vertiefung bekannter Themen. Im April 2025 fiel der Startschuss zur Revision der Bildungsverordnung (BiVo) für das MPA EFZ. Die Stärkung des MPA-Berufs ist uns ein grosses Anliegen. Ein weiteres Highlight war der MPA-Stand der FMH an den SwissSkills, mit dem junge Leute für den Beruf begeistert werden konnten. Auch im Bereich «PEPra – Unterstützung zur Prävention in der Praxis» war das vergangene Jahr von Weiterentwicklung geprägt. Besonders erfreulich war die ausgebuchte erste Durchführung des neuen Moduls «Ernährung» im November 2025. Viele Fortbildungen für das kommende Jahr stehen fest – ein Blick in den PEPra-Fortbildungskalender [1] lohnt sich. Neben diesen berufs- und gesundheitsbezogenen Projekten stand die Weiterentwicklung der interprofessionellen Zusammenarbeit im Gesundheitswesen im Fokus: Die FMH schlägt vor, Entrustable Professional Activities (EPAs) als gemeinsamen Bezugsrahmen zu verwenden, um die interprofessionelle medizinische Praxis zwischen Ärzteschaft und nicht ärztlichen Gesundheitsberufen zu strukturieren.

Ausblick 2026
Das neue Jahr bringt Chancen, Bewährtes zu verbinden und Neues zu gestalten. Aus der Zusammenarbeit der Bereiche Public Health und Berufsentwicklung entsteht ein gemeinsamer Bereich – ein Schritt, der viele Möglichkeiten für gemeinsame Entwicklung im Sinne der «Praxis der Zukunft » eröffnet, die Interprofessionalität über verschiedene Berufsgruppen hinweg fördert, und die Qualität der Gesundheitsversorgung insgesamt stärkt. Schwerpunkte wie die Förderung genügend ambulanter Weiterbildungsplätze, die Integration der MPA in die Gesamtheit der Gesundheitsberufe, die Zusammenarbeit mit aktuellen und zukünftigen Partnern im Bereich der Prävention, aber auch die Gesundheit der Ärztinnen und Ärzte werden intensiviert und weiterentwickelt werden. Parallel steht in der laufenden Revision der MPA-BiVo die Ausarbeitung des neuen Bildungsplans im Fokus. Aufbauend auf dem Qualifikationsprofil wird die Kompetenzorientierung vertieft und die Verbindung von Theorie und Praxis gestärkt. Ziel ist es, die MPAAusbildung nachhaltig an die Bedürfnisse eines modernen Gesundheitswesens anzupassen und den Reformprozess gemeinsam mit allen Stakeholdern erfolgreich weiterzuführen.

Literatur

  1. www.pepra.ch/de#pepra-calendar

Esther Kraft - Leiterin Digitalisierung, Daten und Qualität

Rückblick 2025
Am 11. September reichten die FMH und prio.swiss für den praxisambulanten Bereich den Qualitätsvertrag beim Bundesrat zur Genehmigung ein. Dies ist ein Meilenstein und das Ergebnis einer vierjährigen Verhandlungsphase.

Die Treffen der Qualitätsdelegierten (Forum Qualität SAQM) und der Digitalisierungsdelegierten (Forum Digitalisierung) sowie der Austausch mit den jeweiligen Steuerungs- und Lenkungsgremien und den Partnerorganisationen waren wegweisend, um die Herausforderungen im Bereich der Qualitätsentwicklung und der digitalen Transformation anzugehen.

Inhaltlich wurden wichtige Grundlagen geschaffen wie der fachübergreifende Katalog der Qualitätsverbesserungsmassnahmen, der Bericht und die Empfehlungen der FMH zum Umgang mit grossen Sprachmodellen im ärztlichen Alltag, das Merkblatt «Telemedizin» sowie die Aktualisierung der Plattformen «Guideline Schweiz» und «Forum medizinische Register Schweiz». Die Publikation der FMH-Ärztestatistik 2024 und des «Swiss eHealth Barometers» leisteten einen wichtigen Beitrag zur Transparenz im Gesundheitswesen.

2025 startete zudem das Programm «DigiSanté». Die FMH ist im Branchengremium sowie in Kommissionen und Fachgruppen vertreten. Die Digitalisierung des Medikationsprozesses ist und bleibt eine zentrale Aufgabe. Das E-Rezept Schweiz, eine Initiative der FMH und von pharmaSuisse, wird dabei eine zentrale Rolle einnehmen.

Ausblick 2026
2026 wird der Bundesratsentscheid zum Qualitätsvertrag im praxisambulanten Bereich erwartet. Nach einer allfälligen Genehmigung folgt eine zweijährige Einführungsphase, in der die Ärzteorganisationen bei der Umsetzung und inhaltlichen Ausgestaltung eine wichtige Rolle spielen.

Weitere Schwerpunkte bilden die Revision des Heilmittelgesetzes (HMG) und diejenige des Gesetzes über das elektronische Gesundheitsdossier (EGDG). Für den flächendeckenden Einsatz digitaler Instrumente müssen praxistaugliche, nutzenstiftende und finanzierbare Lösungen vorliegen, die auf gemeinsamen Standards basieren und tiefenintegriert sind.

Auch 2026 erscheinen wieder die FMH-Ärztestatistik, der «Swiss eHealth Barometer» und der «International Health Policy Survey».

Am 12. Juni verleiht die Schweizerische Akademie der Qualität in der Medizin (SAQM) mit der Innovation Qualité 2026 Auszeichnungen für praxiserprobte Qualitätsprojekte. Der Preis wird von 49 ideellen Partnerorganisationen mitgetragen.

Im Zentrum bleiben die Dienstleistungen und Angebote für die Mitglieder der FMH. Das Unterstützungsnetzwerk für Ärztinnen und Ärzte in Krisensituationen ReMed wird weiterentwickelt, ein Fortbildungsangebot im Bereich der Cybersecurity erarbeitet und praxisnahe Hilfestellungen zu Digitalisierung, Daten und Qualität zur Verfügung gestellt.

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