FMH – Berufsverband
 

Wenige Ärztinnen an der Spitze

Die neuesten Zahlen zur FMH-Ärztestatistik 2025 sind publiziert. In der Schweiz gibt es 44 612 berufstätige Ärztinnen und Ärzte. Der Frauenanteil in chefärztlichen Positionen ist mit 20 Prozent tief, obwohl die Hälfte der Ärzteschaft weiblich ist.

Stefanie Hostettler
Dr. sc. ETH Zürich, wissenschaftliche Mitarbeiterin Digitalisierung, Daten und Qualität FMH

Esther Kraft 
lic. rer. oec., Leiterin Digitalisierung, Daten und Qualität FMH

Das Durchschnittsalter der Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz beträgt 50 Jahre. Ein Viertel aller berufstätigen Ärztinnen und Ärzte ist 60 Jahre oder älter. 48 Prozent der 44 612 berufstätigen Ärzteschaft in der Schweiz sind Frauen (Tabelle 1). Im Vergleich zum Vorjahr hat die Gesamtzahl der Ärztinnen und Ärzte um 2010 Personen zugenommen, das entspricht einem Pro-Kopf-Wachstum von 5 Prozent. Insgesamt ist die Ärztedichte mit 4,2 Vollzeitäquivalenten pro 1000 Einwohnende vergleichbar mit jener der Nachbarländer. Allerdings weist die niedrige Grundversorgerdichte von 0,9 Vollzeitäquivalenten je 1000 Einwohner auf eine angespannte Versorgungssituation hin. Auch dass der Anteil ausländischer Ärztinnen und Ärzte mit 43 Prozent weit über dem Durchschnitt von 20 Prozent innerhalb der OECD-Länder liegt [1], zeigt den Fachkräftemangel.

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Tabelle 1: Übersicht der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte nach Geschlecht und Sektor (Hauptberufstätigkeit) 2025

Wo bleiben die Chefärztinnen?

Während bei den Assistenzärztinnen und Assistenzärzten der Frauenanteil 60 Prozent beträgt, nimmt er mit steigender Hierarchiestufe ab (Abbildung 1): Auf Oberarztstufe liegt er bei 54 Prozent, bei der leitenden Ärzteschaft bei 36 Prozent und auf Chefarztebene bei 20 Prozent. Gemäss dem «Glass Ceiling Index», dem Verhältnis zwischen der Geschlechterverteilung im mittleren und oberen Kader, der Universität St. Gallen [2], sind Frauen im Gesundheitswesen im Branchenvergleich mit der härtesten «gläsernen Decke » konfrontiert. Mit einem Wert von 4,8 liegt die Ärzteschaft im Branchenvergleich auf dem letzten Platz – hinter Versicherungen (3,4) und Banken (2,6). Ein Wert von 1 stünde für Gleichheit.

Ab einer gewissen Hierarchiestufe scheinen Ärztinnen in die geschlechtsspezifische «leaky pipeline» zu geraten. Mögliche Ursachen dafür sind Strukturen, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erschweren, oder auch intransparente Beförderungsprozesse. Flexible Modelle wie Jobsharing, eine respektvolle Arbeitskultur und Transparenz bei der Besetzung von Kaderpositionen tragen zur Förderung des Frauenanteils bei [3]. Programme wie «Coach my Career» und «Aiming Higher – Karriereentwicklung für Assistenzärztinnen» der Universität St. Gallen helfen jungen Medizinerinnen, ihre Karriere gezielt zu planen sowie persönliche Kompetenzen und Netzwerke zu stärken.

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Abbildung 1: Anzahl Ärztinnen und Ärzte nach Funktion und Geschlecht im Spitalsektor 2025

Gute medizinische Versorgung braucht genügend qualifizierte Fachkräfte.

Hoher Anteil ausländischer Fachkräfte

43 Prozent der in der Schweiz berufstätigen Ärztinnen und Ärzte haben ihr Medizinstudium im Ausland absolviert und abgeschlossen. In den vergangenen Jahren ist der Anteil der ausländischen Ärzteschaft kontinuierlich gestiegen (Abbildung 2). 2015 waren es noch 32 Prozent. Ärztinnen und Ärzte, die im Ausland ausgebildet wurden, machen 86 Prozent des Wachstums der Ärzteschaft in der Schweiz aus (OECD Health Statistics 2025 «Contribution of foreign-trained doctors to physician workforce growth» [1]). Mit ihrer ausgeprägten Auslandabhängigkeit nimmt die Schweiz im OECD-Vergleich einen Spitzenplatz ein [1].

Pro 100 000 Einwohnende in der Schweiz schlossen im Jahr 2023 13,8 Medizinstudierende ihr Studium ab. Somit hat sich die Zahl an Absolventinnen und Absolventen des Humanmedizinstudiums seit 2010 zwar erhöht. Sie liegt aber noch immer unter dem OECD-Durchschnitt von 14,3. Im Jahr 2025 wurden 3272 ausländische Arztdiplome und 1533 ausländische Facharzttitel anerkannt. 52 Prozent der Ärztinnen und Ärzte, die 2025 einen eidgenössischen Facharzttitel erworben haben, weisen ein ausländisches Ärztediplom aus.

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Abbildung 2: Übersicht der Ärztinnen und Ärzte mit eidgenössischem oder ausländischem Arztdiplom 2025

Mehr Teilzeit und weniger Einzelpraxen

Das Bedürfnis der Ärztinnen und Ärzte nach Teilzeitpensen und der Tätigkeit in Gemeinschaftspraxen nimmt zu. 2015 waren 56 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Einzelpraxen tätig, heute sind es noch 39 Prozent. Das Arbeitspensum ist über die letzten Jahre tendenziell gesunken. 2015 betrug das durchschnittliche Arbeitspensum 8,9 Halbtage. Aktuell arbeiten Ärztinnen und Ärzte im Schnitt 8,6 Halbtage pro Woche. Dies entspricht aber noch immer einer Wochenarbeitszeit von rund 43 Stunden, was in anderen Berufen einem Vollzeitpensum entspricht. Grundversorgerinnen und Grundversorger im Praxissektor berichten von hoher Arbeitsbelastung, Kapazitätsgrenzen [4, 5] und einem grossen Zeitaufwand für Verwaltungsarbeiten [6]. Mit durchschnittlich 0,9 Vollzeitäquivalenten pro 1000 Einwohnende ist die Arbeitskraft in der ambulanten Grundversorgung tiefer als bei den ambulant tätigen Spezialistinnen und Spezialisten (1,2 Vollzeitäquivalente pro 1000 Einwohnende). Für die Versorgung in Spitälern stehen 2 Vollzeitäquivalente pro 1000 Einwohnende zur Verfügung.

Entlastung der Fachkräfte

Die steigende Bürokratie führt dazu, dass der Zeitdruck im Arbeitsalltag steigt und die Zeit für die Patientenversorgung knapp ist. Gemäss der jährlichen Befragung der Ärzteschaft durch das Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der FMH denken Ärztinnen und Ärzte zunehmend darüber nach, das Gesundheitswesen zu verlassen [7]. Bei der Ärzteschaft in Weiterbildung sind es 19 Prozent, bei der praxisambulant tätigen Ärzteschaft 18 Prozent, und bei der Spitalärzteschaft sind es 10 Prozent.

Der Anteil älterer Menschen nimmt zu, und die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter geht zurück. Es wird schwieriger werden, die Zahl und den Anteil der im Gesundheits- und Pflegebereich beschäftigten Personen im erwerbsfähigen Alter weiter zu erhöhen, ohne Arbeitsplätze in anderen Sektoren zu gefährden [8]. Die Anwerbung von Gesundheitsfachkräften aus dem Ausland macht das Gesundheitssystem anfällig und wirft auch ethische Fragen auf [8]. Um der Herausforderung der wachsenden Nachfrage nach Versorgungsleistungen zu begegnen und Ärztinnen und Ärzte im Beruf zu halten, ist eine mehrgleisige Strategie nötig. Die Anzahl der Medizinstudienplätze und der Weiterbildungsplätze muss weiter erhöht werden. Durch eine stärkere Aufgabenverlagerung, eine engere Integration der Pflege sowie den gezielten Einsatz von Technologie lassen sich personelle Ressourcen effizienter nutzen. Die FMH sensibilisiert Politik und Öffentlichkeit für die Auswirkungen des Fachkräftemangels, engagiert sich für den Abbau bürokratischer Hürden und setzt sich für weniger Mikroregulierung, eine nutzbringende Digitalisierung sowie attraktive Arbeitsbedingungen ein.

125 Jahre FMH

1901, im Gründungsjahr der FMH, waren 1989 Ärztinnen und Ärzte registriert, heute sind es ein Vielfaches mehr. Auch die Ärztedichte hat sich markant verändert: von 1,65 Ärztinnen und Ärzten pro 1000 Einwohnende damals auf heute rund 4,9 (Personen, nicht Vollzeitäquivalente). Parallel dazu ist die Lebenserwartung in der Schweiz von durchschnittlich 48 Jahren auf 84 Jahre gestiegen. Diese Entwicklung steht sinnbildlich für die Professionalisierung und den Ausbau der Gesundheitsversorgung und damit auch für 125 Jahre FMH-Engagement. Die FMH-Ärztestatistik liefert dafür seit Jahrzehnten eine zentrale Datengrundlage: Sie wird systematisch erhoben, laufend aktualisiert und ist unverzichtbar für die Versorgungsplanung im Schweizer Gesundheitswesen.

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Datengrundlage

Die FMH-Ärztestatistik wird jeweils zum Jahresende (Stichtag 31. Dezember) neu erstellt. Die FMH-Datenbank (n = 44 612) enthält die wichtigsten ärztedemografischen Merkmale wie Alter, Geschlecht, Nationalität und Ort der Berufsausübung der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz. Die Angaben zur Berufstätigkeit (Arbeitspensum, Praxisstruktur etc.) werden mittels Fragebogen auf dem Mitgliederportal myFMH erhoben. Die myFMH-Stichprobe 2025 enthält aktuell Angaben von über 22 245 Ärztinnen und Ärzten. Die Indikatoren beleuchten die Schweizer Ärzteschaft in einem umfassenden zeitlichen Rahmen.

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Literatur

  1. OECD. Health at a Glance 2025: OECD Indicators. OECD Publ. 2025
  2. Universität St. Gallen. Gender Intelligence Report 2025. Univ St Gallen Rep. 2025
  3. Medinside Redaktion. Frauen entsprechen noch immer nicht dem Bild des «starken Chefarztes». Medinside. 2025
  4. Villiger R, et al. Well-being of the Swiss General Internal Medicine workforce: a nationwide survey. Swiss Med Wkly. 2025;155: 4073
  5. mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz. Workforce-Studie 2025: Hausärztemangel verschärft sich – Grundversorgung in der Schweiz akut gefährdet. mfe Rep. 2025
  6. Dorn M. Ärztinnen und Ärzte in der Grundversorgung– Situation in der Schweiz und im internationalen Vergleich. Obsan Rep. 2026; 01
  7. Trezzini B, et al. Administrative Entlastung erforderlich. Schweiz Ärzteztg. 2025; (29): 13–15
  8. Healthcare Personnel Commission. Time to Act: The Personnel in a Sustainable Health and Care Service. Healthc Pers Comm Rep. 2023

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